Reinhardt Graetz

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Medien


facebook, Twitter & Co...


...ist die Inflation von Nichtigkeiten - vordergründig betrachtet. Die Teilnehmer haben das Gefühl, Teil einer großen Familie im globalen Dorf zu sein. Früher haben die NachbarInnen im Hausflur geklatscht & getratscht, das heißt heute "chatten" - was, ist eigentlich völlig unwichtig und wird daher auch gleich wieder gelöscht. Der Mensch ist halt ein geselliges Wesen. Kommunikation ist (fast) alles... "Der Weg ist das Ziel", konstatierte einst Marshall Mc Luhan ["Die magischen Kanäle"]. Den "Weg" kann man hier als die Überwindung von zeitlichen oder räumlichen Distanzen verstehen.

Aber: jeder kann bei facebook auch in das soziale Umfeld von jedem Teilnehmer hineinsehen. Das ist gut für die Werbefuzzis. Die sehen nebenher auch, welche Vorlieben die facebook - Teilnehmer haben, wer mit wem welche Interessen teilt, und sie richten ihre software danach aus. Bisher hatten die Leute öffentlich über ihre Vorlieben und Freunde nichts preisgegeben, und die Marktforschung musste ihnen Infos darüber mühsam aus der Nase ziehen. Nun tun sie es freiwillig und ganz von selbst, die Teilnehmer - und facebook verdient sein Geld damit, und das nicht zu knapp. Inzwischen ist facebook ein milliardenschweres Unternehmen, Mark Zuckerberg ein Multimilliardär.

Wie sich die Zeiten ändern: Früher haben sich so manche Geheimdienste erklecklich echauffiert, um genau die Angaben auszuforschen, die bei der Chronik/timeline von den facebook - Mitgliedern freiwillig und kostenlos in der Öffentlichkeit ausgebreitet werden; Biographie, Privatleben, persönliche Vorlieben - Respekt! Inzwischen fordern die Datenschützer neue Regeln im Umgang mit privaten Daten; die Veröffentlichung derselben soll und kann nur auf freiwillliger Basis geschehen. Vermutlich droht den Geheimdiensten nunmehr Ungemach von der anderen Seite, ob der gigantischen Datenfülle - aber die Datenverarbeitungskapazitäten haben ja auch zugenommen. Immerhin war genau dies zuletzt die Achillesferse der Stasi - bei der gigantischen Datenfülle kamen die nicht mehr zu Potte und hinkten der Auswertung derselben immer mehr hinterher...

Die Zeiten ändern sich. Immerhin hatte US-Präsident Obama dank derartiger Netzwerke seine Wahl gewonnen. Mit der langsamen Schneckenpost auf Papierbasis wäre das vermutlich schiefgegangen. Sein Nachfolger Trump machte es ganz ähnlich über Twitter.

Inzwischen tummeln sich sowohl Gutmenschen als auch Bösewichter bei allen social networks. In alter Gewohnheit pflegen die Bösewichter auch dort zu stänkern, indem sie fake news erfinden und verbreiten, um den Gutmenschen Schaden zuzufügen.

So haben sie es geschafft, das postfaktische Zeitalter einzuläuten, in dem scheinbar Fakten nichts mehr gelten, sondern nur noch fake news. Aus facebook und Twitter machten sie fakebook und Fake#Twitter.
Nur - Fakten bleiben trotzdem Fakten, und das einzige, was wirklich zählt. Auch bekannt als die "normative Kraft des Faktischen"...

Inzwischen ist facebook ein neuer Standard geworden, und wir tun gut daran, dass wir uns damit arrangieren. Man muss halt wissen, was man tut, und wie man sich nach außen inszeniert - d. h. was man den social networks anvertraut und veröffentlicht, oder besser: nicht veröffentlicht. Dass die Geheimdienste über diese social networks über eine perfekte Datenquelle verfügen (und wir ihnen unsere privaten Daten kostenlos zur Verfügung stellen), sei hier der Vollständigkeit halber auch noch einmal erwähnt. Wir haben uns längst daran gewöhnt. Stichworte Assange, NSA und Snowden...

Jeden Tag kommen neue Mitglieder hinzu - derzeit sind es ca. 1,5 Milliarden weltweit! Jetzt beginne ich zu träumen: wenn ich (und nicht nur ich) von jedem fb - Mitglied nur EINEN € bekäme - nur so - dann könnte ich 'ne Bank gründen, hätte vollkommen ausgesorgt, könnte -zig soziale Projekte unterstützen, unsere Heimatgemeinde schuldenfrei stellen...

Fairerweise sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass Mark Zuckerberg viele seiner Milliarden für soziale und Entwicklungsprojekte zur Verfügung stellt. Nicht jeder Milliardär verfügt über eine derartig soziale Ader...